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Kluge Köpfe bringen Innovationsmotor auf Touren
(Bericht der Chemischen Rundschau 11.2008)

INDISTA 2008CHEMIESTANDORTE. Deutschland ist als Innovationsstandort im globalen Vergleich weiter nach vorne gerückt. Gleichwohl bleiben die Herausforderungen für Standortmanager und industrielle Dienstleister hoch. Auf der «INDISTA 2008» in Düsseldorf tauschten Experten Zukunftsvisionen und konkrete Tipps aus.  

Unternehmensaufsplitterung an Traditionsstandorten, Unterbrechung gewachsener Wertstoffketten – man mag dazu stehen, wie man will, es ist heute die Realität. Erfreulicherweise stärkt dies das bodenständige Denken in überschaubaren Betriebseinheiten vor Ort. Zu den Charakteristika zählen nicht zuletzt industrielle Dienstleistungs- und Standortbetreiber – kurz: INDISTA. Dieses Akronym stand Ende September in Düsseldorf für einen Gedankenaustausch zwischen führenden Köpfen der jungen Branche. Neben der kostengünstigen Organisation rund um Energie, Entsorgung etc. rückte die Ausrichtung eines Standorts auf Innovationen stärker in den Mittelpunkt.

Dr. Werner KreuzDr. Werner Kreuz, Vice President Process Industries, A. T. Kearney GmbH, Düsseldorf, wies auf die finanziellen Aspekte einer aktuellen Übernahme hin: «Der Investor CVC bot für die Übernahme eines guten Viertels an Evonik einige hundert Millionen Euro mehr als die Konkurrenten – weil er die Produktpipeline der Degussa höher bewertete.» Deutschland ist als Innovationsstandort weiter nach vorn gerückt. Innovationskraft wird belohnt, und damit war der Redner schon bei seinem Hauptthema, der neusten Best-Innovator-Studie.
 
Beruhigend für das Auditorium: Deutschland befindet sich unter den 15 Top-Ländern und hat sich seit 2003 sogar von Platz 10 auf Platz 6 vorgearbeitet. Das zahlt sich für die Unternehmen aus. Die Innovationsführer bringen es auf Betriebsgewinn-Margen (Basis: Ebit) von durchschnittlich 10 Prozent, während der Mittelwert über alle Unternehmen mit 4 Prozent weit darunter liegt.

Warum ist Skandinavien so kreativ?

Die Führungskräfte hierzulande setzen Innovation mit an die Spitze ihrer wesentlichen Ziele, allerdings herrscht mit dem Erfolg keine rechte Zufriedenheit. Offenbar stellen die gezielte Auswahl der richtigen Ideen und ihre Umsetzung in Produkte nach wie vor eine große Herausforderung dar. Sie lässt sich wohl besser bewältigen, wenn von vornherein Kunden, Lieferanten und überhaupt externe Stellen in alle Prozesse miteinbezogen werden: Was möchten meine Kunden morgen? Was können meine Lieferanten besser als mein Unternehmen? Wofür hole ich mir Unterstützung durch Berater, Kreativagenturen und andere Dienstleister?

Augenscheinlich schlechte Voraussetzungen gereichen in punkto Innovation erstaunlicherweise zum Vorteil. «Warum ist Skandinavien so kreativ?», wollte ein Indista-Teilnehmer wissen. Darauf Dr. Kreuz: «Keine Rohstoffe, keine Chance in der Großindustrie gegen etablierte europäische Wettbewerber, kleiner Heimatmarkt – da bleibt nur die Innovation. Die Skandinavier haben daraus eine Kultur entwickelt, in der man immer wieder Neues ausprobieren möchte.»

Es muss auch nicht immer die eine geniale Idee sein. Vorhandene moderne Technologie
konsequent zu nutzen, kann einen Chemiepark bereits durch Kostensenkung wettbewerbsfähiger machen. Dazu stellte Dr. Kreuz ein Beispiel aus der von Lanxess in Auftrag gegebenen aktuellen Benchmark-Studie vor: Die Werksschutzkosten betragen an den günstigsten Standorten lediglich 1,9 Euro pro Quadratmeter und 515 Euro pro Mitarbeiter, ein kleiner Bruchteil der Vergleichswerte. Videoanlagen statt personalintensive Torposten sowie Identifizierung von Personen und Gegenständen mithilfe von elektromagnetischen Wellen (RFID/radio frequency identification) – das sind schon zwei der nicht gar so geheimen Tipps, die Dr. Kreuz den Zuhörern mit auf den Weg gab. Im Allgemeinen empfahl er eine prozessorientierte und flache Unternehmensstruktur, breite Verantwortlichkeiten dagegen nur bei Neuprodukten.  ...

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